Hinter dem Spiegel
- narjarathamiz

- 1. Aug.
- 2 Min. Lesezeit

Als sie klein war, fühlte sie.
Sie rannte, tanzte, spielte im Schlamm und erkundete alles um sich herum.
Ihr Körper war ihr Zuhause – und ihr Zuhause, ihr sicherer Ort.
Sie dachte nicht darüber nach, wie sie wahrgenommen wurde.
Sie war einfach. Lebendige Präsenz in ihrem eigenen Körper.
Als sie älter wurde, änderte sich etwas.
Viele ihrer Gefühle waren plötzlich nicht mehr willkommen.
Ihre Neugier wurde nicht immer geduldet.
Die „Welt“ begann ihr zu sagen, wer sie sein sollte.
Wie sie aussehen sollte.

Feine Kommentare, und manche nicht so fein.
Urteilende Blicke.
Sie war nicht mehr frei, einfach zu sein.
Und verstand nicht einmal richtig, warum.
Eine Leere breitete sich in ihrem Inneren aus.
Sie begann, sich von außen zu betrachten.
Sich zu beobachten. Sich zu korrigieren.
Sich zu vergleichen.
Ihr Körper war nicht mehr ihr Zuhause.
Und ihr Zuhause kein sicherer Ort mehr..
Selbstwahrnehmung wurde zu Selbsturteil.
Verbundenheit zu Kritik.
Fühlen wurde durch Gefallen ersetzt.
Und die Leere… füllte alles.
Und so tat sie, als wäre sie nicht da.

Sie versuchte, sich anzupassen, wo kein Platz mehr war.
Begann „Makel“ zu sehen, die sie früher nie bemerkte.
Schwieg, wenn sie sprechen wollte.
Zog die Schultern hoch, spannte den Bauch an.
Versteckte sich, nicht vor anderen, sondern vor sich selbst.
Mit all diesem unterdrückten Schmerz
entstand ein stiller Glaube:
Ich bin nicht gut genug.
Nicht schön genug.
Nicht würdig, geliebt zu werden.

Das lebendige, ganze, pulsierende Mädchen…
saß fest, gefangen im Spiegel.
Ein kolonialisierter Spiegel.
Sie baute ihre Schutzmauern.
Trennte sich von sich selbst, um den Schmerz zu lindern.
Sie konnte nicht einmal die Liebe annehmen, die noch da war.
Aber etwas schrie in ihr:
Die Freiheit, sie selbst zu sein.
Der Wunsch, gesehen zu werden.
Das Bedürfnis, geliebt zu werden.
Bedingungslos.

Und das Mädchen ist noch da.
Unter Schichten von Angst, Vergleich und Kontrolle.
Sie weiß noch, wie man tanzt.
Sie weiß noch, wie man fühlt.
Und vielleicht… kann sie sich noch lieben.
Der innere Hafen war verschlossen.
Der Schlüssel: ihre eigene Liebe.
In der Stille und in der Bewegung fand sie den Schlüssel wieder.
Und sie konnte sich wieder sehen
nicht so, wie andere sie haben wollten,
sondern wie sie wirklich war:
Von innen nach außen.
Ganz.
Schön.
Namastê,
Narjara Thamiz



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